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Der Musiker und Produzent Jack Antonoff
Legende: Jack Antonoff bei den Grammys 2019 - er gewann den Grammy für den besten Rocksong: Masseduction von St. Vincent - auch für sie hat er ein vielbeachtetes Album produziert. Keystone
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Taylor Swifts Erfolgsproduzent Jack Antonoff: Die goldene Hand für handgemachten Pop

Er ist vierfacher Grammy-Preisträger und seit Jahren Taylor Swifts Hausproduzent – doch auch seine eigenen Bands haben einen Platz auf eurer Playlist verdient. Mit seiner musikalischen Handschrift ist der Produzent Garant für Popsongs mit Klasse.

«Jack Antonoff, der mittlerweile musikalisch zur Familie gehört» - das schrieb Taylor Swift über ihren langjährigen Produzenten in der Ankündigung zu ihrem achten Album «Folklore, Link öffnet in einem neuen Fenster», das Antonoff zusammen mit Aaron Dessner von The National produziert hat.

Taylor Swift, Lana del Rey, Lorde, The Chicks

Wer Jack Antonoff zu seiner musikalischen Familie zählen darf, hat Glück: Nicht nur Taylor Swift ist mit «Folklore» auf Platz 1 eingestiegen in der Schweiz und vielen weiteren Ländern. Es ist schon das vierte Album, das sie zusammen machten, jedes davon war international auf den vordersten Chartsplätzen (das Album «1989» gewann 2016 sogar zwei Grammys: Album des Jahres und bestes Pop Vocal Album). Auch Lana del Reys Album «Norman Fucking Rockwell, Link öffnet in einem neuen Fenster» schaffte es letzten Sommer gleich beim Einstieg an die Spitze in der Schweiz, und The Chicks (früher hiessen sie The Dixie Chicks) landeten im Juli mit dem Album «Gaslighter, Link öffnet in einem neuen Fenster» immerhin auf Platz 5. Alles von Jack Antonoff produziert.

Und schon bald kommt sein nächster Wurf: Das neue Album der Neuseeländerin Lorde, das sie im Frühling angekündigt hat, soll noch dieses Jahr erscheinen und trägt ebenfalls Antonoffs Produzentenhandschrift (schon zum zweiten Mal, nach ihrem Album «Melodrama, Link öffnet in einem neuen Fenster» von 2017).

Wer handgemachten Popsound will, der sowohl bei den Kritikern als auch in den Charts gut ankommt, geht zu Antonoff - oder versucht es (er sagt über sich selber, er produziere nur für Freunde, Link öffnet in einem neuen Fenster). Mit seinem Sound zielt er exakt auf das Gegengewicht zum kommerziell seit Jahren dominierenden Electropop und Urban und schafft es, den goldenen Mittelweg zwischen klassischem Mainstreampop und Indie zu beschreiten. Es ist kein Zufall, dass es alles Frauen sind, die mit ihm zusammenarbeiten: Der 36-jährige New Yorker ist kein Macho-Produzent alter Schule, sondern setzt auf gleichberechtigtes Zusammenarbeiten.

Jack Antonoff

Der Musiker Jack Antonoff
Legende:Keystone

Jack Antonoff, geboren 1984, kommt aus Bergenfield in New Jersey, dem Nachbarstaat New Yorks am anderen Ufer des Hudson River. Seine Familie hat jüdische Wurzeln. Seine jüngere Schwester starb schon mit 13 an einem Hirntumor, eine Erfahrung, die Antonoff prägte und die er künstlerisch immer wieder reflektiert. Seine ältere Schwester ist die New Yorker Modedesignerin Rachel Antonoff. Als Teenager gründete Jack in New Jersey seine ersten Bands. Mit 28 zog er nach New York City, wo er später mit seiner damaligen Partnerin Lena Dunham (bekannt durch die Serie «Girls») in Brooklyn wohnte. Antonoff lebt auch nach der Trennung bis heute in Brooklyn und hat dort auch ein Heim-Tonstudio.

Die Antonoff-Handschrift

Die Produzentin oder der Produzent ist bei einem Album vom Songschreiben oder –Mitschreiben über die Instrumentierung, die Wahl der Musikerinnen und Musiker und des Tonstudios bis hin zu Details und Nuancen beim Aufnehmen in jede kreative Entscheidung involviert. Welches Instrument einem Song noch fehlt oder wie eine bestimmte Zeile ganz genau gesungen wird - das alles ist Produzentensache.

Wer mit Jack Antonoff zusammenarbeitet, kann von folgenden Merkmalen ausgehen, die seine musikalische Handschrift ausmachen und jede Antonoff-Produktion prägen:

  • Sorgfältiges, detailreiches Songwriting, das zugleich mühelos wirkt. Nichts ist zuviel, nichts zuwenig. Vor dem Chorus kommt bei Antonoff meist eine Bridge (im Streamingzeitalter sprinten sonst die meisten Popsongs möglichst rasch in den Chorus) – oft ist sie melodisch so stark, dass es eher wirkt als hätte der Song einen zweiteiligen Chorus (z.B. bei Lana del Reys Song «The Greatest, Link öffnet in einem neuen Fenster» oder Taylor Swifts «August, Link öffnet in einem neuen Fenster»).
  • Hörbare Einflüsse aus den goldenen Zeitaltern des Pop, den Sixties und Eighties: Antonoffs Einflüsse und Inspirationen reichen von den Beatles und Elton John über Prince bis zu Bruce Springsteen.
    Diese Inspirationen prägen die akustischen Gitarrenklänge, mit denen er arbeitet, wie auch seine 80er-Synthiesounds.
  • Keine Angst vor der grossen Geste: Wer Streicher kitschig findet, ist bei Antonoff an der falschen Adresse. Wer bei Begriffen wie «Pathos» Angst bekommt, ebenfalls.

Fun., The Bleachers, Steel Train: Jack Antonoffs eigene Musik

Am bekanntesten unter seinen eigenen Bands ist das New Yorker Indiepop-Trio fun., insbesondere wegen des Hits «We Are Young» mit Janelle Monáe, geschrieben u.a. von Antonoff. Mit diesem Song gewannen sie 2013 den Grammy für den Song des Jahres - und im selben Jahr wurden fun. bei den Grammys auch «Best New Artist». Antonoff ist Gitarrist der Band.

Noch vor fun. hatte er die Indierock-Band Steel Train aus New Jersey, wo er aufgewachsen ist. Antonoff gründete die Band schon mit 18 und war Leadsänger. Er sagt über die Zeit mit Steel Train, er habe damals gelernt, alles an einem Projekt selber zu machen (sogar bis hin zur Buchhaltung, bei seinen damals allerdings noch sehr bescheidenen Gagen), und profitiere von diesen Erfahrungen bis heute bei seiner Arbeit.

Seit 2014 hat Antonoff das Indiepop-Soloprojekt Bleachers. Hier setzt er sein hochemotionales, musikalisch grossangelegtes Songwriting am konsequentesten um. Noch in diesem Jahr soll das dritte Album erscheinen. Der Song «Rollercoaster» wurde 2018 in der zweiten Staffel von «13 Reasons Why» («Tote Mädchen lügen nicht») in der Finalszene , Link öffnet in einem neuen Fensterbeim Schulball als Soundtrack verwendet.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Sven Millischer  (millinevs)
    Apropos Antonoffs Songwriting, der obige Text hat einen Fehler -> Die Bridge kommt meist nach dem 2. oder 3. Chorus und ist meist ein völlig eigenständiger Teil (harmonisch und/oder rhythmisch) - was die Autorin wohl meint ist ein sogenannter Pre-Chorus, der nach der Strophe kommt und die Hörerin auf den Chorus vorbereiten soll.
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    1. Antwort von Sophie Gut (SRF)
      @Sven Millischer Vielen Dank für deinen Kommentar. So stimmen die Begriffe auch, ja. Mit Bridge kann beides gemeint sein, auch der «Pre-Chorus». Und der eigenständige Teil, den du erwähnst, heisst oft auch «Middle» oder «Middle Eight». Liebe Grüsse, Sophie (Musikredaktion)
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