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Pop Ping Pong Wie heilig ist Jeff Buckleys Hallelujah-Gitarre?

Muse-Frontmann Matt Bellamy kauft sich die Gitarre, mit der Jeff Buckley in den 90ern Leonard Cohens Hit «Hallelujah» einspielte. Bellamy will damit das nächste Muse-Album aufnehmen. «Muss das sein?», fragen sich Claudio Landolt und Gregi Sigrist im Pop Ping Pong.

Landolt: Auch wenn die Fender Telecaster , Link öffnet in einem neuen Fensterdie Mutter aller E-Gitarren ist, ich konnte nie sonderlich viel mit ihr anfangen. Bis ich Jeff Buckleys «Grace», Link öffnet in einem neuen Fenster gehört und drei Monate lang geweint habe. Aus purer Freude. Und weil ich da diese Gitarre das erste Mal richtig hörte. Buckley mag ich immer noch, Muse nicht mehr. Bei der Vorstellung, dass Matt Bellamy nun die Buckley-Gitarre shreddet, wird mir leicht übel.

Sigrist: Die Telecaster ist die coolste Gitarre der Welt. Aber das nur so am Rande. Ich finde, dass es grundsätzlich für jede Gitarre eine Ehre ist, wenn sie von einem wie Matt Bellamy bearbeitet wird. Wieso er Buckleys Gitarre will, um ein neues Muse-Album einzuspielen, Link öffnet in einem neuen Fenster, ist mir aber ein Rätsel. Ausser Muse machen ein Album, auf welchem die Arrangements reduziert sind, und die Songs viel Luft zum Atmen haben. Aber auch dafür braucht man die Lieblings-Gitarre von Jeff Buckley nicht.

Landolt: Ach, Matt Bellamy kauft sich damit doch einfach ein bisschen glücklich. Vielleicht ersteigert er ja demnächst noch die Gitarre von Kurt Cobain, Link öffnet in einem neuen Fenster. Macht der prominente Vorbesitzer die Gitarre besser, oder ist es einfach nur ein dekadent überteuertes Stück Holz?

Sigrist: Wir wissen gar nicht was Matt Bellamy für die Gitarre von Buckley hingeblättert hat.

Landolt: Sicher nicht wenig. Aber um Geld geht es da ja auch gar nicht. Vielleicht zahlte er den Betrag auch gleich aus dem Marketing-Budget für das nächste Muse-Album. Storytelling in Zeiten von Corona. Plus noch eine neue Tele im Bandraum. Die Frage bleibt: ist die Telecaster von Buckley bei Bellamy in den richtigen Händen?

Sigrist: Ich befasse mich extrem ungern mit Reliquien. Im Beatles-Museum in Liverpool musste ich den Raum verlassen, in welchem John Lennons Brille ausgestellt ist. Diese Brille hat irgendetwas mit mir gemacht, was mir nicht passte. Und irgendwie geht es mir auch mit dieser Gitarre so. Das war Buckleys Gitarre. Buckley ist tot. Die Gitarre nicht. Ich glaube, wenn ich ganz ehrlich bin, wär’s mir lieber, wenn man die Gitarre zusammen mit Buckley begraben hätte. Würdest du auf ihr spielen? Oder: Würdest du das Notizbuch von Leonard Cohen ersteigern und dann selbst etwas hineinschreiben?

Landolt: Niemals! Weder ersteigern noch besudeln täte ich. Und solange Matt Bellamy am nächsten Muse-Konzert nicht noch «Hallelujah» anstimmt, soll er doch kaufen was er will.

Sigrist: Amen.

Claudio Landolt & Gregi Sigrist

Claudio Landolt & Gregi Sigrist

Hier spielen sich die Musikredaktoren Claudio Landolt & Gregi Sigrist Fragen zu. Wir nennen es Pop Ping Pong. Das Feld ist die Popmusik. Aufschlag!

Vergangene Pop Ping Pong-Partien:

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