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Vermeintliche Hagelschäden Versicherer entlarven immer mehr Betrüger

Betrugsfälle bei Hagelschäden nehmen zu. Respektive: Es werden mehr Betrugsversuche aufgedeckt – mit einer Datenbank.

Legende: Audio Versicherungen rüsten auf abspielen. Laufzeit 3:20 Minuten.
3:20 min, aus Echo der Zeit vom 09.08.2018.

Ein typischer Versicherungsbetrug geht so: Ein Auto hatte einen Hagelschaden, der wurde von der Versicherung bezahlt – aber vom Autobesitzer nicht repariert. «Interessant wird es danach», sagt Samuel Klaus, Leiter Betrugsbekämpfung bei der Axa. «Es ist möglich, dass jemand später einen neuerlichen Hagelschaden bei einer Versicherung meldet.»

Je nachdem lasse sich nun feststellen, dass eben kein zweiter Hagelschaden dazu gekommen sei. Mit anderen Worten: Der gleiche Schaden wird zweimal abgerechnet, bei zwei verschiedenen Versicherungen.

Versicherer spannen zusammen

Weil das in der Branche durchaus üblich war, haben die Versicherungen nach eigener Auskunft die Betrugsbekämpfung in den letzten Jahren aufgestockt – nicht nur personell, sondern auch mit einer Datenbank.

In dieser würden Fahrzeugschäden von den verschiedenen Versicherern in der Schweiz gesammelt, erklärt Klaus: «Wenn ein neuer Schaden gemeldet wird, können wir abgleichen, ob ein Fahrzeug schon in der Vergangenheit beschädigt wurde.» Wenn ja, schicken die Versicherer ihre Experten los, um dem Verdacht nachzugehen.

Betrüger aufgepasst

Nach Auskunft aus Branchenkreisen beteiligen sich drei Jahre nach dem Start dieser Datenbank sieben grosse Versicherer daran, darunter neben der Axa auch die Zurich Versicherung und seit kurzem auch Vaudoise.

Sobald ein Hagelschaden bei ihnen gemeldet ist, füttern sie die gemeinsame Datenbank mit dem Kennzeichen des versicherten Fahrzeugs. Seitdem kämen mehr Betrugsfälle ans Licht, sagt Axa-Experte Klaus.

Allwissend ist die Datenbank nicht

Beim Start vor drei Jahren seien es noch 100 Verdachtsfälle pro Jahr gewesen, inzwischen knapp 150. In drei von vier Fällen bestätige sich der Betrugsverdacht. Pro aufgedecktem Betrug kann die Axa im Schnitt 3500 Franken einsparen. Der Aufwand lohnt sich also.

Und trotzdem gebe es Lücken im System, sagt der Experte: «Die künstlich herbeigeführten Hagelschäden werden wir mit diesem System nicht erkennen.» Das sind Fälle, in denen ein Versicherter sein Auto eigenhändig traktiert und bei der Versicherung einen Hagelschaden geltend macht. Wie gross der Anteil ist, sei schwer zu sagen. Die Dunkelziffer ist hoch.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Sicher wäre es auch noch sehr hilfreich wenn die entsprechenden Meteodaten zum Datum und genauen Ort des gemeldeten Schadens in der Datenbank überprüft würden.
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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    Genau diese Zusammenarbeit braucht es auch unter den Krankenkassen, weil auch dort dringender Verdacht besteht, dass viel beschissen wird und weil es so gut funktioniert, ist das kranke Gesundheitswesen in der Schweiz die lukrativste Wirtschafts-Sparte mit dem höchsten Zuwachs - toleriert von der Politik und bezahlt von uns sprachlosen Duldern.
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    1. Antwort von Matthias Krähenbuehl (Mattthecrow)
      Wie soll beschissen werden? Schicken die Leute ihre Arztrechnungen an zwei Versicherungen?
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    2. Antwort von Simon Reber (kokolorix)
      Natürlich wird dort viel beschissen. Aber nicht von den Versicherten, sondern von den Leistungserbringern. Vor allem die Fallpauschale öffnet Tür und Tor für Betrug. Der Fall wird abgeschlossen, der Patient wird nach hause geschickt obwohl er nach wie vor Krank ist. Wird er dann Tags darauf wieder als Notfall eingeliefert, ist es ein neuer Fall. Einige überleben zwar das Prozedere nicht, aber wen kümmerts. Unsere bürgerlichen Politiker auf jeden Fall nicht, Geld vor Leben!
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