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Der Ölpreis im Sinkflug
Aus Tagesschau vom 24.03.2020.
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Ölpreis im Sinkflug Ein Machtkampf brachte das Fass zum Überlaufen

Der Ölpreis befindet sich auf Talfahrt. Ein Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und Russland ist Teil des Problems.

Der Ölpreis befindet sich auf einer Talfahrt. Seit Anfang Jahr hat er sich mehr als halbiert. Grund: Wegen der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Öl eingebrochen. Zugespitzt hat sich die Situation, weil die Verhandlungen zwischen Saudi-Arabien und Russland gescheitert sind.

So kam es zum Konflikt

Wegen des Coronavirus und seinen wirtschaftlichen Auswirkungen stagniert der weltweite Erdölverbrauch. Es wird weniger gereist, die Nachfrage nach Benzin, Diesel und Kerosin sinkt drastisch.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beschlossen die 14 OPEC-Staaten die Ölfördermenge noch weiter als bis anhin zu drosseln. Als am 6. März 2020 die OPEC-Staaten, dessen Wortführer Saudi-Arabien ist, auf ihre zehn Kooperationspartner trafen, eskalierte die Situation: Russland widersetzte sich dem Vorschlag und weigerte sich, seine Ölproduktion weiter zu drosseln.

«Russland scheint darauf zu pokern, dass man einen tieferen Ölpreis länger durchhalten kann als die Konkurrenz.»
Autor: Luzia TschirkySRF-Korrespondentin in Moskau

Laut SRF-Korrespondentin Luzia Tschirky will Russland mit dieser Aktion Marktanteile zurückholen, die es zuvor an die USA verloren hat. «Russland scheint darauf zu pokern, dass man einen tieferen Ölpreis länger durchhalten kann als die Konkurrenz.»

Saudi-Arabien dreht seine Erdölhähne auf

In der gegenwärtigen Situation gibt es nirgendwo einen Gewinner.
Autor: Cornelia MeyerErdölexpertin

Nach der gescheiterten Verhandlung mit Russland pumpt Saudi-Arabien noch mehr Erdöl in den Markt. Nahost-Korrespondent Peter Weber sagt: «Saudi-Arabien fährt dadurch eine hochriskante Strategie. Mit einem tiefen Ölpreis will man Konkurrenten, wie beispielsweise die amerikanischen Schieferöl-Produzenten oder alternative Energieentwickler, aus dem Markt drängen.»

Gegenwärtig profitiert jedoch von der Situation niemand. Erdölexpertin Cornelia Meyer sagt: «Wenn man einen solchen Nachfrageeinbruch kumuliert mit einem Krieg über Marktanteile, dann gewinnt überhaupt niemand.»

Die Schieferöl-Industrie vor einem Scherbenhaufen

Die amerikanische Schieferöl-Industrie hat in den vergangenen zehn Jahren massiv ausgebaut und vor allem durch technische Fortschritte grosse Marktanteile im Ölmarkt gewonnen. Damit sind die USA zum grössten Erdölproduzenten der Welt aufgestiegen. Doch nun leiden die Schieferöl-Produzenten in den USA am meisten unter dem Preisdruck. Im Gegensatz zu Saudi-Arabien und Russland kann die US-Schieferölindustrie ihre Produktionskosten nur bedingt senken. Demnach ist in den USA zu erwarten, dass es zu einer Konsolidierung am Ölmarkt kommt.

Niemand darf das Gesicht verlieren.
Autor: Cornelia MeyerErdölexpertin

Deshalb ist die Expertin auch überzeugt, dass hinter den Kulissen eifrig verhandelt wird. Der Amerikanische Präsident Donald Trump habe angekündigt, dass er mit Saudi-Arabien das Gespräch suchen will. Und auch die beiden streitenden Parteien würden sich irgendwann wieder an denselben Tisch setzen. Dies müsse laut Cornelia Meyer aber «ein gut choreografierter Tanz sein, da niemand das Gesicht verlieren darf».

Tagesschau; 24.03.20; 19:30 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Bernd Kulawik  (Bernd K.)
    RU kann einen Ölpreis von 20 (!) $ gut 2 Jahre durchhalten. Dann liegen SA und USA am Boden. Aktuell dürfte "Rache" RUs für die US-Blockade gegen Nordstream 2 eine wichtige Rolle spielen. Erstaunlich, dass das im Artikel nicht erwähnt wird. DIe USA wollen (teures) Fracking-Gas nach EU verkaufen und diese so abhängig halten. NS2 würde das verhindern und schadet zugleich den US-Vasallen PL und Ukraine. Aber lange können sich die USA den Kampf nicht "leisten". Putin sitzt am längeren Hebel. Gut so.
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  • Kommentar von jonas guggenheim  (jonas guggenheim)
    Endlich. Zeit definitiv auszusteigen. Jetzt wäre die Gelegenheit. Wegen dem globalen Coronastillstand können wir unseren CO2 Ausstoss hoffentlich noch vor den grossen Kippmomenten begrenzen. Jetzt sind die Aktien der Fossilen Industrien im Keller, sie dürfen nicht mehr steigen! Ausstieg total ist die Chance der Zeit, langsamer Aufbau von neuen Strukturen aus dem home office wird der Weg sein. Die Coronakrise wird wahrscheinlich nicht nach dem Frühling zu Ende sein.
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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    "Niemand profitiert": Doch, die Natur !
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