Zum Inhalt springen

Header

Video
Die WHO steht an Jahreskonferenz vor fast unlösbaren Problemen
Aus Tagesschau vom 18.05.2020.
abspielen
Inhalt

«Showdown» bei der WHO Machtpolitik statt Gesundheitspolitik

Was eine Routineveranstaltung sein sollte, könnte «High Noon» bedeuten: die jährliche Weltgesundheitskonferenz in Genf.

Die Rede ist bereits von einem veritablen «Showdown». Dabei beginnt heute Montagmittag im Grunde eine Routineveranstaltung: die jährliche Weltgesundheitskonferenz, also das Treffen der 194 Mitgliedsländer der UNO-Weltgesundheitsorganisation WHO. Doch wegen der weltweiten Coronakrise liegen in manchen Hauptstädten die Nerven blank, und es wird mit heftigem politischem Streit gerechnet.

Aus Sicht der WHO müsste die Weltgesundheitskonferenz in den kommenden beiden Tagen zweierlei erreichen: Erstens die Stärkung des Gesundheitswesens in jenen Ländern, hauptsächlich in der Dritten Welt, die vom Coronavirus erst jetzt erfasst werden. «Gemeinsam müssen wir es fertigbringen, überall stärkere Gesundheitssysteme zu schaffen», fordert WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus. Zweitens sei sicherzustellen, dass ein Corona-Impfstoff günstig und nach gerechten Kriterien weltweit zur Verfügung gestellt wird, sofern und sobald es ihn denn gibt.

China gegen Taiwan…

Tatsächlich dürfte die Debatte über diese beiden Themen völlig überlagert werden von politischem Streit. Anfangen wird er bereits, wenn eine Resolution zahlreicher Kleinstaaten zur Sprache kommt, die weiterhin diplomatische Beziehungen zu Taiwan pflegen: Von Haiti über Honduras bis Tuvalu oder Saint-Lucia. Sie fordern, unterstützt von den USA und EU-Ländern, dass Taiwan zumindest wieder als Beobachter bei der WHO zugelassen wird – zumal man vom demokratischen Inselstaat in Sachen Corona viel lernen könnte.

China und seine Verbündeten, hauptsächlich Länder in Afrika, wollen das unbedingt verhindern. Peking tut alles, damit Taiwan nirgends als souveräner Staat auftreten kann. Verhindern will China ebenfalls eine rasche, unabhängige Untersuchung über den Ausbruch des Coronavirus Ende 2019 und seinen eigenen Umgang damit.

...und USA gegen WHO

Auf politisches Powerplay setzen aber auch die USA, welche die WHO als China-hörig kritisieren. Präsident Donald Trump drohte zunächst mit der Streichung sämtlicher US-Beiträge an die UNO-Organisation für Gesundheit.

Inzwischen krebst er etwas zurück und plant, künftig bloss noch so viel zu bezahlen wie China, also weitaus weniger als bisher. Mit dem finanziellen Rückzug fördert allerdings Trump genau das, was er eigentlich verhindern möchte: Dass nämlich China in der WHO – wie in anderen UNO-Organisationen, zu denen die USA auf Distanz gingen – mehr, statt weniger Einfluss erhält.

Ausserdem wollen die USA, dass ein Corona-Impfstoff zunächst ihren Bürgern zur Verfügung stünde. Eine Bevorzugung der USA, von der jüngst etwa der Chef des Pharmaherstellers Sanofi, Link öffnet in einem neuen Fenster sprach, entspräche jedoch genau dem Gegenteil einer fairen, gerechten Verteilung, wie sie die WHO anstrebt.

Man befürchtet Schlimmes

Bei der WHO selber ist man besorgt, dass die Weltgesundheitskonferenz ausgerechnet in dieser gesundheitspolitischen Notlage aus dem Ruder läuft. Dort heisst es, man wisse schlicht nicht, was auf der wichtigen, wegen Corona auf zwei Tage verkürzten Weltgesundheitskonferenz passieren werde.

Denn das würden die Mitgliedstaaten entscheiden. Offenbar befürchtet man Schlimmes. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das WHO-Jahrestreffen zum neuen Schauplatz des Machtkampfs zwischen den USA und China wird.

Grafik zeigt Informationen zur WHO

SRF 4 News, Heute Morgen, 18.05.2020, 06:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

28 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Anders Gesagt: Herr Zeilinger was war ihre wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis? Das Information und nicht eine physikalische Wirklichkeit die Grundlage der Naturwissenschaften ist. Wohlgemerkt die Naturwissenschaften nicht etwa die Geisteswissenschaften. Was meint er nun mit Information. Die Medien beschäftigen sich doch ausschliesslich mit Informationen. Krankheit oder Gesundheit sind nur das Einfrieren von Informationen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tanja Klankert  (tdk)
    Die aktuelle Pandemie wirft erneut die Frage nach kommunikativer (Un-)Gleichheit und den Möglichkeiten der politischen Partizipation bei internationalen Organisationen wie der WHO auf, worauf auch die Taiwan Association for Global Health Diplomacy auf ihrer Facebookseite hinweist:
    https://m.facebook.com/notes/世衛台灣-global-health-diplomacy/value-proposition-價值主張/1581552005287341/
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Die WHO als die wohl wichtigste Unterorganisation der UNO - mit Sitz in Genf, was immer auch ein Licht auf die Schweiz bedeutet - ist gerade dabei, ihre bereits stark angeschlagene Reputation gänzlich zu verlieren. In den vergangenen Jahrzehnten wurden derart viele Fehler und Fehlentscheidungen begangen, dass nur noch eine gründliche Reorganisation aus der Krise helfen kann. Es darf nicht sein, dass einzelne Staaten Einfluss auf Entscheidungen nehmen, ebenso wie die unzähligen Lobbyisten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen