Zum Inhalt springen
Inhalt

Hunderttausende in Gefahr Angriff auf zentralen Hafen im Jemen

Legende: Audio Dramatische Folgen für die jemenitische Bevölkerung möglich abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
03:46 min, aus Echo der Zeit vom 13.06.2018.
  • Im Jemen hat die von Saudi-Arabien geführte Koalition ihren grössten Angriff seit Beginn des Krieges vor drei Jahren gestartet.
  • Ziel des Angriffs ist die für die Versorgung des Landes zentrale Hafenstadt Hudaida. Die Versorgung von Millionen von Jemeniten droht zusammenzubrechen.
  • Die Befreiung der Stadt gilt als entscheidend im Kampf, den Jemen von den Huthi-Milizen zurückzuerobern.
Jemenitische Regierungstruppen wollen Hudaida zurückerobern.
Legende: Jemenitische Regierungstruppen wollen Hudaida zurückerobern. Keystone

Mit den Angriffen soll zudem die Sicherheit in der Meerenge Bab al-Mandab wiederhergestellt werden. Diese Wasserstrasse zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika zählt zu den wichtigsten Routen für Öltanker.

Die UNO warnte vor dem Angriff vor verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung. Über die Hafenstadt Hudaida laufen 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen für den von den Huthi-Rebellen kontrollierten Norden des Jemen. Auch die Stadt selbst wird von den Huthis kontrolliert.

Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 600'000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, in und um Hudaida leben. Die UNO warnte davor, dass 250'000 Menschen durch einen Angriff auf die Stadt alles verlieren könnten, schlimmstenfalls auch ihr Leben.

Schlimmste Befürchtungen bestätigt

Die Offensive auf Hudaida habe mit Luftangriffen auf Ziele südlich der Stadt begonnen, hiess es aus jemenitischen Militärkreisen. Eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt die Offensive.

Regierungstreue Milizen rücken am Boden vor. Landwirtschaftliche Gebiete und Bauernhöfe nahe der Stadt seien von den Huthi-Milizen in Militärstellungen umgewandelt worden, hiess es aus Militärkreisen.

Aktuelle Berichte bestätigten die schlimmsten Befürchtungen, sagte der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Innerhalb von einer halben Stunde habe es mehr als 30 Angriffe gegeben. Viele Menschen seien eingeschlossen oder würden aus ihren Häusern vertrieben. «Der Angriff bedeutet Todesgefahr für unzählige Anwohner.»

22 Millionen Menschen brauchen Hilfe

Der UNO-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern. Die UNO bezeichnen die Situation im Jemen schon jetzt als grösste humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Rund 22 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, dies entspreche Dreiviertel der Bevölkerung. Zuletzt hatte eine Cholera-Epidemie mit mehr als einer Million Fällen die Lage im Land verschlechtert.

Die jemenitischen Regierungstruppen hatten im Oktober zusammen mit ihren Verbündeten eine gross angelegte Militäroffensive gestartet, um zum Seehafen Hudaida vorzurücken. Sie werfen den Huthis vor, vom Iran unterstützt zu werden.

Die Kämpfe waren zuletzt nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge mussten Zehntausende Menschen wegen der Gewalt bereits aus ihren Häusern fliehen.

Im Gespräch mit der Denkfabrik International Crisis Group warnte ein Huthi-Offizieller die Angreifer vor dem Sturm auf die Stadt. Die Koalition werde beim Angriff auf Hudaida «die Hölle erwarten». Beobachter fürchten, dass sich der Kampf um die Hafenstadt lange hinziehen könnte.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Es geht in diesem Krieg sicher nicht um Religion, sondern um die politisch und vor allem wirtschaftlich (Handelsroute) strategische Lage Jemens. Dabei spielen die Ethnien, die dort leben und nicht wissen, wie ihnen geschieht, eine total untergeordnete Rolle. Neutral und historisch betrachtet handelte es sich bei fast allen Religionskriegen um wirtschafts- und machtpolitische Aspekte. Mit der Religion lassen sich nur am einfachsten und verlogensten Menschen (meist Fussvolk) täuschen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Dieser Krieg kam nur zu Stande weil der Jemen mit massiver Unterstützung von Saudi-Arabien seit Jahren die schiitische Minderheit (die es übrigens auch in Saudi-Arabien gibt) unterdrückt. Kein Wunder das der vergessene Konflikt irgendwann eskaliert. Saudi-Arabien, als selbsternannte sunnitische Schutzmacht, begeht in Jemen mit us-amerikanischer Unterstützung Kriegsverbrechen. Die Uno und die Welt schaut zu. Die einzige Unterstützung der Aufständischen ist der Iran.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Der wirkliche Aggressor im Nahen Osten ist nicht der Iran sondern Saudi-Arabien mit den radikal-islamischen Strömungen Wabahitismus und Salafismus. Aus einer stinkreichen Saudi-Familie stammte das Al Kaida-Urgestein Osama Bin Laden. Der IS wurde aus Saudi-Arabien unterstützt. Der angebliche Krieg gegen den Terror ist in Wahrheit ein Krieg zwischen Schiiten und Sunniten. Natürlich auch der Iran ist kein Unschuldslamm, aber er mischte sich bisher nur dort ein wo Schiiten unterdrückt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Danke für Ihren treffenden Kommentar. Der Grund für all das Chaos ist letztlich das Projekt "New Middle East" (Condoleezza Rice): Geplante Kriege, geplantes Chaos "so that the United States, Britain, and Israel could redraw the map of the Middle East in accordance with their geo-strategic needs and objectives." Der "gute" Werte-Westen in Aktion. Man versteht auch, warum dieser so sauer auf Russland und Putin ist...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen