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Steigende Fallzahlen: Kommt Spanien bald auf die Risikoländer-Liste?
Aus Tagesschau vom 26.07.2020.
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Coronavirus in Spanien «Für den Tourismus wird das ein verlorenes Jahr»

In Spanien, dem vom Coronavirus hart gebeutelten Land, machen derzeit wieder viele Menschen Ferien. Nun steigen aber die Fallzahlen erneut an. Laut Hans-Günter Kellner, Journalist in Madrid, liegt das daran, dass mehr getestet wird. Die Konsequenzen für den Tourismus sind aber verheerend.

Hans-Günter Kellner

Hans-Günter Kellner

Journalist

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Der freie Journalist Hans-Günter Kellner, Link öffnet in einem neuen Fenster lebt in Madrid und ist Korrespondent für verschiedene Medien.

SRF News: Vor einem Monat hat die Regierung den Alarmzustand aufgehoben. Nun steigen die Infiziertenzahlen wieder. Wieso?

Hans-Günter Kellner: Der Hauptgrund ist, dass heute viel mehr getestet werden kann als noch im März und April. Aber es gibt auch viele Infektionen innerhalb der eigenen Familien. Das ist den Statistiken zufolge der meistgenannte Infektionsherd. Es gibt aber auch viele infizierte Jugendliche durch das Nachtleben in Diskotheken, die in vielen Regionen inzwischen wieder geschlossen worden sind. Und es gibt Infektionsherde durch schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen, zum Beispiel bei den Erntehelfern.

Und was genau ist denn das Hauptproblem?

Das Hauptproblem ist meiner Ansicht nach das schlechte Contact Tracing, also die schlechte Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten. In Katalonien beispielsweise sagen Infizierte, dass gar niemand, wenn sie einmal positiv getestet worden sind, nach ihren Kontakten der letzten Tage gefragt hat. In Madrid gibt es insgesamt nur 180 Personen, die damit beschäftigt sind.

Sicher ist Spanien durchaus. Es kommt aber darauf an, wohin man reist.

Das ist eine pro 50'000 Einwohner. Die Epidemiologen sind darüber sehr verwundert, denn sie haben seit Wochen davor gewarnt, dass das Contact Tracing das wichtigste ist, um Infektionsherde kontrollieren zu können.

Die Regierung sagt, Spanien sei ein sicheres Land. Stimmt das?

Die Regierung versucht mit solchen Erklärungen natürlich, die Angst im Tourismus ein wenig einzudämmen. Sicher ist Spanien durchaus. Es kommt aber darauf an, wohin man reist. Es gibt eine sogenannte 14-Tage-Inzidenz, das sind die Infizierten pro 100'00 Einwohner in den letzten zwei Wochen. Da liegt der Wert in Gesamtspanien bei 35 Infizierten, das ist sehr hoch. Auf den Balearen, den Kanaren, aber auch in Andalusien oder in Galizien, und insbesondere im Norden, in Asturien oder Kantabrien ist er viel niedriger.

Die Zeitung «El País» kritisiert die Regierung, sie zähle nicht richtig.

In der Statistik der Regierung sind nur die Todesfälle, die die mit einem sogenannten PCR-Test getestet worden sind. «El País» hat Todeszahlen veröffentlicht, die sie selbst recherchiert hat, über die Todesregister der einzelnen Regionen. Demnach sind es 44'868 Tote, in der Regierungsstatistik etwas mehr als 28'000 Tote. Die Regierung möchte die Statistik nun anpassen. Sie will von Todesschein zu Todesschein vorgehen, damit sie wirklich nur die Fälle hat, in denen Covid-19 die Todesursache war. Es kann ja sein, dass jemand infiziert war und die Todesursache ein Herzinfarkt war.

Grossbritannien führt eine Corona-Quarantäne für Spanien-Rückkehrer ein, Tui sagt Reisen aufs spanische Festland ab. Was löst das aus?

Katastrophenstimmung. In Barcelona zum Beispiel haben insgesamt nur 80 Hotels geöffnet. Das sind nur 20 Prozent aller Hotels, und diese 80 Hotels sind auch nur zu 20 Prozent ausgelastet. Das zieht sich durchs gesamte Land. Die Initiative der britischen Regierung, Rückkehrer in Quarantäne zu schicken, betrifft vor allem Alicante. Dort sind etwa die Hälfte der Urlauber Briten. Für den Tourismus wird es ein verlorenes Jahr. Und viele im Tourismus haben nicht genug Rücklagen, um diese Einnahmeausfälle zu verkraften.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 27. Juli 2020, 07:15 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Ich denke die Massnahmen gegen das Corona- Virus müssen noch 2-5 Jahre erhalten bleiben ohne ist das Klimaziel nicht zu erreichen. Bis dahin sind 90% der Fluggesellschaften Konkurs, danach noch eine gigantische Wirtschaftskriese heraufbeschwören damit die Kaufkraft allgemein sinkt und der Halbe Weg ist geschafft.
    Mit dem Argument Klimaschutz hätte man dies nie und nimmer erreicht.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    João Muller (EuSou_IMORTAL) Sie sind Fan von Bolsonaro, wie kann man nur? Brasilien ist aktuell einer der Corona-Hotspots der Welt. Er rührt keinen Finger für die Betroffenen von Corona. Kaum ein Land hat so viele Coronavirus-Infizierte wie Brasilien. Illegale Goldgräber nutzen die Krise, um den Urwald abzuholzen.Dabei bekommen sie Schützenhilfe von Bolsonaro. Seine Politik wirft Brasiliens mühsam aufgebauten Umweltschutz um 40 Jahre zurück. Er schadet somit dem ganzen Ökosystem. Einfach Pfui!
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    1. Antwort von Marc Grut  (Pandas)
      @keller. Es scheint mir als sehen sie sich selbst als hohe moralische Instanz.
      Aber was machen in einem Land in dem es millionen von armen Leuten gibt?
      Ich würde es bevorzugen am Corona zu erkranken als zu verhungern wegen fehlender Arbeit.
      Und Bolsonaro ist nicht perfekt aber jeder hat die Freheit selbst zu entscheiden, vorallem wen er mit diesem Land verbunden ist und die Hintergründe besser kennt...
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    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Gerade ist ein Artikel in der Baz zu den weltweiten Corona-Fällen mit einer Statistitik: "Schlittert Spanien in zweite Corona-Welle?" Wenn man bedenkt das in den Favelas wegen der Enge es zu vielen Infektionen kommt, dann sind die Zahlen alles andere als der Hotspot der Welt.
      Der Urwald ist die Lunge der Welt, die Welt erwartet das ein armes Land selbstlos diesen schützt. So geht es auch nicht! Die Welt sollte finanziell zum Erhalt des Urwalds beitragen, kritisieren ist einfach und keine Lösung
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  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus wird die Welt deutlich mehr schädigen als es der Virus selbst hätte tun können.
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