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Politologe Lukas Golder: «Es ist nichts entschieden – es ist ein Patt»
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Umfrage zu den Abstimmungen Knapper Nein-Trend: Jagdgesetz droht Abschuss an der Urne

  • Beim Jagdgesetz ist vor der Abstimmung am 27. September eine Pattsituation eingetreten.
  • Laut der zweiten SRG-Umfrage sind 48 Prozent der Befragten gegen die Vorlage, 46 Prozent dafür.
  • Links-grüne Kreise lehnen das Jagdgesetz klar ab – den Ausschlag könnten die Frauen und Städter geben.
JagdgesetzPersönliche Stimmabsichten (in Prozent)bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSR311761927

Ein unschlüssiges Stimmvolk und ein Abstimmungskampf, der im Corona-Jahr nicht so richtig Fahrt aufnehmen wollte: Bei der ersten SRG-Umfrage vom August gaben 54 Prozent der Befragten an, für das Jagdgesetz stimmen zu wollen, 36 Prozent standen auf der Nein-Seite. Allerdings: Viele der Befragten waren noch unentschlossen.

Damals prognostizierte das Forschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchgeführt hat: Kommt Pfeffer in die Debatte, könnte sich das Stimmungsbild noch wandeln. Und genau das ist nun geschehen.

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Golder: «Ist es nötig, Wolf mit Abschüssen zu regulieren?»
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In den letzten Wochen habe eine Emotionalisierung stattgefunden, erklärt Lukas Golder von gfs.bern: «Und bei einem Thema, das bewegt, wollen die Menschen auch inhaltlich begründen können, weshalb sie für die eine oder andere Seite sind.»

Die Wolfsdebatte ist in den Vordergrund der fünf Vorlagen gerückt, über die in anderthalb Wochen abgestimmt wird. Trotz schwergewichtiger Konkurrenz wie der sogenannten «Begrenzungsinitiative» und der Kampfjet-Beschaffung. Und die Politologen erkennen «einen eindeutigen Meinungsaufbau Richtung Nein.»

Abschüsse oder Schutzmassnahmen?

Wie zu erwarten, unterstützt die Stammwählerschaft von SP und Grünen die Position des Referendumskomitees aus Umweltschutzkreisen. Setzt sich der aktuelle Trend bis zum 27. September fort, könnte das Jagdgesetz letztlich nur noch bei der FDP- und SVP-Klientel eine Mehrheit finden.

bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSR632238410164195140157221632234231820145273446224131536199729JagdgesetzStimmabsichten nach Parteibindung (in Prozent)GrüneSPGLPCVPFDPSVPkeine Partei

Die Gegner des Jagdgesetzes dringen vor allem mit einem Argument durch: Es braucht nicht Abschüsse, sondern bessere Schutzmassnahmen, um dem Wolf zu begegnen. Die Ja-Seite punktet dagegen mit der «vorausschauenden Regulierung» der Wolfsbestände.

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Golder: «Pensionäre sehen Bedürfnisse vom Land deutlicher»
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Eine Besonderheit der Vorlage: Frauen sind nun recht deutlich gegen das Gesetz, Männer unterstützen es. Neben dem Geschlechtergraben hat sich auch ein Generationengraben aufgetan. Rentnerinnen und Rentner wurden vom Nein-Trend bisher nicht erfasst; von den 18- bis 39-Jährigen will dagegen eine Mehrheit gegen das Jagdgesetz stimmen.

bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRJagdgesetzStimmabsichten nach Geschlecht (in Prozent)Männer9. Aug.6. Sept.Frauen9. Aug.6. Sept.2929815192717519322130121621351771922

Weniger verwunderlich tendieren Städter verstärkt ins Nein-Lager. «Das anfängliche Vorurteil, dass Städter über die Jagd auf dem Land entscheiden könnten, ist nun recht dezidiert eingetreten», sagt Golder. Aber: Der Trend hat auch ländlichere Regionen und CVP-Wählerinnen und -Wähler erfasst. Auch bei ihnen sinkt die Zustimmung für die Vorlage.

bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegenBefragungszeitraum: 2. bis 10. September 2020 Fehlerbereich: ± 2.7 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRJagdgesetzStimmabsichten nach Siedlungsart (in Prozent)ländlichkleine/mittlere Agglomerationgrosse Agglomeration2417121730302341429371951821

Wollen die Befürworter das Ruder herumreissen, müssen sie die Deutungshoheit zurückgewinnen. Sollten sie es schaffen, die emotionale Debatte wieder etwas «einzufrieren», wie es Golder ausdrückt, könnte die Trendwende gelingen. Weite sich die Kritik der Gegner am «Abschussgesetz» aber weiter aus, dürfte die Vorlage scheitern.

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Golder: «Muster der nationalen Wahlen könnte sich wiederholen»
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Sollte das eintreffen, wäre das für den Politologen auch Ausdruck der wachsenden Bedeutung von GLP und Grünen, die gerade unter Jungen und Frauen Anklang finden. Somit könnte sich beim Jagdgesetz wiederholen, was sich schon bei den eidgenössischen Wahlen 2019 manifestierte: ein weiblich geprägter «Grünrutsch» – von dem nun der Wolf profitieren könnte.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 2. und 10. September 2020 durchgeführt. Insgesamt sind die Antworten von 17'909 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt worden.

Telefonisch befragt wurden 1407 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 701 Personen aus der Deutschschweiz, 405 aus der Romandie und 301 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.7 Prozentpunkte. Bei 1407 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.3 und 52.7 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 16'502 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 14'065 Personen in der Deutschschweiz, 2864 in der Romandie und 980 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger Pensionierte als Jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern veröffentlicht zwei Umfragen zur Abstimmung vom 27. September 2020. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung. Allerdings sind bei mindestens zwei Befragungen Aussagen über Trends möglich.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungsspecial

Abstimmungsspecial

Abstimmungen und Wahlen vom 27. September 2020

SRF 4 News, 16.09.2020, 6 Uhr

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