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Evolution des Menschen Unser Stammbaum ist eher ein Gebüsch

Wer sich die Geschichte des Menschen gradlinig vorstellt, muss umdenken: Gruppen früher Menschen in Afrika entwickelten sich zum Teil isoliert voneinander – und dadurch unterschiedlich.

Ein Gebüsch in der Sahara.
Legende: Verläuft eher wild wie ein Busch als gradlinig wie ein Baum: die Geschichte des Menschen. Getty Images

Neue Daten widerlegen eine schon länger wacklige Theorie: Die Evolution des Homo Sapiens ist kein gradliniger Stammbaum. Sie gleicht eher einem wilden Gebüsch. Das legt die Studie einer Forschergruppe um die Archäologin Eleanor Scerri nahe, die heute in der Fachzeitschrift «Trends in Ecology & Evolution», Link öffnet in einem neuen Fenster erscheint.

Der Kontinent glich dem heutigen

Dieses verzweigte Gebüsch namens Menschheitsgeschichte untersuchten die Forschenden bis etwa 300'000 Jahre zurück. Auf dem afrikanischen Kontinent sah es damals wohl gar nicht so anders aus als heute.

«Es gab höchst wahrscheinlich Gegenden mit dichtem Regenwald und die Saharawüste», sagt die Archäologin Eleanor Scerri. Die Sahara breitete sich über die Jahrhunderte mal mehr, mal weniger weit aus. Je nachdem, wie feucht das Klima gerade ausfiel.

Die ersten Menschen der Gattung Homo zogen als Jäger auf dem afrikanischen Kontinent umher und jagten beispielsweise Buschböcke – eine frühe Art von Antilopen, die vor mehreren Millionen Jahren lebte. Je nach Region jagten die frühen Menschen aber verschiedene Unterarten dieser Buschböcke.

Natürliche Barrieren

Eleonor Scerri hat DNA-Analysen von heute lebenden Buschbock-Tieren mit den Klimadaten aus jenem frühen Zeitalter kombiniert und herausgefunden: Die verschiedenen Unterarten des Buschbocks entwickelten sich in klimatisch verschiedenen Regionen des afrikanischen Kontinents.

Eine Antilope mit weissen Flecken steht vor einem Gebüsch
Legende: Der Buschbock hat sich wohl ähnlich verzweigt entwickelt wie die Menschen. Imago/Robert Harding

Die Buschböcke verbreiteten sich über die Jahrhunderte hinweg in jene Gebiete, in denen das Klima für sie angenehm war. Dichter Wald und weitläufige Wüstengegenden bildeten für die verschiedenen Gruppen eine natürliche Barriere.

Sie konnten sich gegenseitig nicht kreuzen und entwickelten sich dadurch weiter zu je eigenen Buschbock-Unterarten. Ist es möglich, dass die frühen Menschen sich ebenso verhielten?

Getrennte Gruppen, eigene Entwicklungen

Die Forschergruppe um Eleanor Scerri zieht in ihrer jüngsten Studie genau diesen Schluss: Wahrscheinlich lebten auch die Vorfahren von uns Menschen in Gruppen – verteilt über den afrikanischen Kontinent. Auch sie wurden zum Teil über lange Zeiten durch natürlich Grenzen wie Wüsten, Sümpfe oder dichten Wald voneinander getrennt.

Dieses Bild rekonstruierten die Forschenden durch die Kombination von verschiedenen Ergebnissen: Das Alter von frühzeitlichen Schädelknochen und Steinwerkzeugen, DNA-Analysen – und neu eben auch Daten aus der Klimageschichte.

Evolution: Fünf Menschheits-Typen, vom Neanderthaler zum Anzugsträger.
Legende: Nicht so gradlinig wie man denkt: die Entwicklung von Homo Sapiens zum heutigen Mensch. Imago/Ikon Images

Die Klimadaten machen Scerris These besonders wahrscheinlich: Die Natur scheint einzelne Gruppen unserer Vorfahren manchmal über Jahrtausende hinweg in einer Region eingeschlossen zu haben.

«Wir halten uns für etwas Besonderes»

Diese Gruppe entwickelten sich somit teils isoliert von anderen frühen Menschengruppen weiter, sagt Eleanor Scerri: «Wahrscheinlich ist diese zum Teil Jahrtausende dauernde Trennung der Grund dafür, warum wir auf dem afrikanischen Kontinent so unterschiedlich geformte Schädelknochen finden.»

Dass Tiere wie der Buschbock sich unterschiedlich entwickeln, wenn sie lange genug getrennt von anderen Gruppen leben: Das wissen Biologinnen und Anthropologen schon lange. Warum aber hat es so lange gedauert, bis dieses Wissen auch in die Erforschung der Menscheitsgeschichte eingeflossen ist?

Wir würden uns selber eben gern für etwas Besonderes halten – für etwas anderes als Tiere, sagt Eleanor Scerri.

Neue Kapitel einer alten Geschichte

Neue Methoden machen es Archäologinnen und Anthropologen heute möglich, dass sie Fossilien von Tieren und Pflanzen, aber auch sehr alte Knochenfunde und DNA-Stücke, so genau wie nie zuvor untersuchen können.

Genug Arbeit für ihr ganzes Leben bekomme sie dadurch an die Hand, sagt die Archäologin Eleanor Scerri. Sie wird weiter am Buch der Menscheitsgeschichte mitarbeiten, von dem in Zukunft wohl noch das eine oder andere Kapitel umgeschrieben wird.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 11.7.18, 17.10 Uhr

25 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Hartmann (Wolfgang Hartmann)
    Herr Pünt, die Fosilienfunde der letzten 50 Jahre zeigen eindeutig, dass es z. Zt. keine Verbindung zwischen Mensch und Affe gibt. Z. Bsp. die Untersuchung von Zachwieja et al (2016 Amer. J. Phys. Anthropol. 159, S62, 342-343). Eine Untersuchung der Knochenstärke des Oberschenkels und Oberarmes bei heutigen Menschen und Primaten und fossilen Homininen. Sie zeigte, dass auf Grund der Stärke, die wie bei Schimpansen und grossaffenähnlichen Australopithecinen ist, Homo habilis kein Mensch war.
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    1. Antwort von Mike Pünt (Scientist)
      bei der Studie von Zachwieja geht es um die Zuordnung von Habilis. Das heisst, man hat all diese Funde gemacht und muss sich nun darauf einigen, welche bereits zu den Hominiden gehören und welche nicht (wie immer in der Wissenschaft). Und das ist nicht einfach, gerade weil die Übergänge fliessend sind. Homo erectus zb. gehört ganz klar zu den Hominiden und war offensichtlich kein moderner Mensch. Darüber hinaus spricht die Genetik eine sehr klare Sprache. Wir sind auch Tiere...
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Schön wäre es, Hr. Pünt, wenn es eine klare Sprache gäbe. Aber es ist wie Sie sagen "man muss sich einigen". Was bedeutet dass es eben keine klare Sprache ist, sondern wir Menschen haben Thesen und suchen Beispiele von denen sie gestützt werden. Zu oft wurden Beisiele auch gefälscht um Thesen zu stützen.
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Ich liebe die Ablehner... sie sind ein Beweis mehr dass die meisten Menschen keine Ahnung haben woher sie stammen.. und wie ihr Verhaeltnis Zeitlich zur Entstehung unseres Planeten besteht... und dass die Pongiden sowie hominiden sich so vor 25mio Jahren schon abgespaltet haben ist laengst bewiesen. Wer es genau wissen will kann ja googeln... muss aber die wissenschaftliche Terminologie beherrschen...
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Da wir keine Messmethoden haben, die zuverlässig 25 Mio Jahre in die Vergangenheit messen können, ist überhaupt nichts bewiesen was sich damals abgespielt hat. Dieser Artikel zeigt schön wie es immer wieder Entdeckungen gibt, die dem bisher angenommenen widersprechen. Deshalb kommt auch so schön zum Ausdruck dass nichts bewiesen ist. Das Meiste ist angenommen.
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  • Kommentar von Samuel Nogler (semi-arid)
    Ich hätte einmal gerne einen versteinerten Computer. Diese alten Geschichten sind doch langsam langweilig, da müssten die "Steinchenbastler" wieder einmal etwas interessanteres entdecken.
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