Bessere Nachbarn

  • Mittwoch, 6. September 2017, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 6. September 2017, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Montag, 4. September 2017, 11:15 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 7. September 2017, 5:10 Uhr, SRF 1
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Wie entscheidend ist es, wie sich der Alltag in einem Gefängnis gestaltet? Wieviel Einfluss hat die Art, wie ein Gefängnis geführt wird, auf die Insassen – vor allem wenn sie dereinst entlassen und vielleicht Nachbarn werden?

Ein Film von Tomas Lindh und John Stark

Das norwegische Gefängnis Halden gilt als humanstes Gefängnis der Welt. Nach seiner Eröffnung vor 7 Jahren machten Ausdrücke wie «Ferienanlage» und «Luxus-Knast» die Runde. Doch das Ziel sei – so die Leitung – die Gefangenen möglichst gut auf einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft vorzubereiten, der ja irgendwann kommen wird. Folge dieser Art Strafvollzug sei eine wesentlich geringere Rückfallquote als anderswo. Die Leitung der Strafanstalt Halden macht daraus eine Vision: Sie will ihr Modell weiterverbreiten und schickt ihren stellvertretenden Direktor auf eine Reise in die USA, ins berüchtigte Gefängnis Attica im Bundesstaat New York.

Der Film von Tomas Lindh und John Stark zeigt nicht nur eine Reise von einem Kontinent zum andern – er taucht auch in zwei grundverschiedene Welten ein. In der einen spielen die Gefangenen in einer Band, reparieren Autos oder servieren im gefängniseigenen Restaurant externen Gästen erlesene Menus. In der andern verrichten sie monotone Arbeit, klagen über zu wenig Essen und zu viel Gewalt und können nicht einmal unbeobachtet die Toilette aufsuchen. Symptomatisch dazu ist die Aussage eines Häftlings in Attica: «Am sichersten fühle ich mich in meiner Zelle. Wenn sie geschlossen ist.»

In der einen Welt spielen die Aufseher schon einmal Fussball mit den Insassen, in der andern sitzen sie mit Maschinenpistolen und Tränengas bewaffnet in Wachttürmen über ihnen. Krasser könnte die Kollision zweier unterschiedlicher Denkmuster nicht sein: Die eine Seite will alles tun, um Straftäter darauf vorzubereiten, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden, die andere ist vor allem vom Gedanken an Vergeltung und Strafe beseelt. Symbolisch dafür steht im Film der Gedanke, dass ein Häftling, der einmal entlassen wird, überall leben könnte, auch in der eigenen Nachbarschaft. Dass daher die Frage der Resozialisierung alle angeht, und dass die Art, wie ein Gefangener behandelt wird, durchaus auch Auswirkungen haben kann auf die Art, wie er sich später in Freiheit verhält.

Auf seiner Reise in die USA trifft der stellvertretende Direktor des norwegischen Mustergefängnisses mit der Leitung und auch mit einigen der rund 2000 Insassen der Strafanstalt Attica zusammen. In einem zweiten Gefängnis in den USA sieht er aber auch, dass seine Ideen und Vorträge bereits auf fruchtbaren Boden gefallen sind: Die Verantwortliche für Strafvollzug im Bundesstaat North Dakota hat in Norwegen gelernt, «dass wir nicht einfach gefügige Häftlinge wollen, sondern bessere Nachbarn». Und selbst der Leiter der Strafanstalt Attica sagt am Schluss des Films: «Wir müssen etwas ändern in diesem Land, einen Ausweg finden aus dem Teufelskreis.»

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