Manuelas lateinamerikanischer Sittenverstoss

Mit ihren 18 Jahren ist die kleine Jane zwar gerade volljährig. Dass sie sich in Manuelas Evergreen «Schuld war nur der Bossa Nova» die Nacht in einer Tanzbar um die Ohren schlägt und erst früh Morgens nach Hause kommt, verstösst aber gegen die guten Sitten des prüden Deutschland von 1963.

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Manuela im «Singenden Rössl am Königsee» 1963

1:41 min, vom 8.9.2017

Zumindest in der Chefetage des Bayerischen Rundfunks läuten die Alarmglocken. Vor allem, weil im weiteren Verlauf des Lieds dann noch verraten wird, dass die kleine Jane im Anschluss an diese Nacht ein Kind erwartet. Kurzerhand wird entschlossen, den Titel zu boykottieren. Die Boulevardpresse freut's und die Teenager erst recht. Die Geschichte wird medienwirskam ausgeschlachtet und «Schuld war nur der Bossa Nova» zum Hit.

Beim dünnen Stimmchen wird getrickst

Der Weg bis zur eigentlichen Single-Auskopplung war steinig. Der Produzent befand Manuelas Stimme zu dünn. Im Studio wurde deshalb ein bewährter Trick angewandt: man legte zwei Tonspuren mit Manuelas Gesang übereinander. Somit klang das Ergebnis schon viel präsenter und stimmgewaltiger.

Die Sängerin ist ein Beispiel dafür, dass es für eine erfolgreiche Karriere im Showbusiness keine grosse Stimme braucht. Vielmehr ist das Gesamtpaket ausschlaggebend. Dieses konnte Doris Wegener – alias Manuela – aufweisen. Sie wirkte nicht nur zeitgemäss frisch und sympathisch, sondern wandte ihrerseits einen weiteren erfolgreichen Trick an.

Schummeln beim Akzent

Weil zur gleichen Zeit Interpreten mit ausländischen Flair besonders gefragt waren, eignete sich Manuela ihrerseits einen englischen Akzent an. Damit versuchte sie insbesondere die sehr erfolgreiche Connie Francis zu imitieren. Auch dieses Rezept ging auf.

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